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Lachen verbindet und hilft heilen

Die Psychotherapeutin Elisa engagierte sich schon während ihrer Schulzeit freiwillig. Als sie wegen des Studiums nach Dresden kam, suchte sie lange Zeit ein Ehrenamt, dass ihr dauerhaft Freude bereitet. Sie stieß auf die Mediclowns. Heute, 12 Jahre später, spricht sie von der Begegnung ihres Lebens. Als ausgebildeter Clown spielt sie regelmäßig in der Universitätsklinik. Ich durfte sie in Aktion erleben und wurde berührt von der Tiefsinnigkeit der Clownsfigur.

Bunte Farben, Geschichten und Kinderlachen

Ich kenne Elisa gerade zwei Stunden, als sie in ihr Kostüm schlüpft und sich in die Clownfigur Olivia verwandelt. Sie trägt nun übergroße Herrenschuhe, eine 7/8-Leggings in der Farbe Beere, ein grünes Shirt und darüber ein weites orangefarbenes Trägerkleid. An ihrer Schläfe erstrahlt eine zart aufgemalte Sonne. Im kurzen Haar trägt sie eine Spange, farblich passend zu ihren neongrünen Armstulpen, die sie über die Ellenbogen gezogen hat. Eine kleine Tasche mit Seifenblasen, Luftballons, andere kleinen Geschenke sowie ihre Freundin, die Handpuppe Schnecke, dienen ihr als Spielmaterial.

Olivia und Clownazubi Frau Jojo mit Handpuppe Schnecke| Bild: Romy Stein

Olivia und Clownazubi Frau Jojo mit Handpuppe Schnecke| Bild: Romy Stein

Mit ihren zwei Clownskolleginnen Blümi und Rotkäppchen betritt sie die Station für Neuropädiatrie. Die drei Clownsdamen ziehen sofort alle Aufmerksamkeit auf sich. Bevor das Spiel beginnt, informieren sie sich, in welchen Zimmern der Zutritt erlaubt ist und ob es Besonderheiten im Spiel zu berücksichtigen gibt. Die genaue Erkrankung ist für die Clowns nicht relevant. Ein Junge, der sich im Aufenthaltsraum gerade bunte Spielfiguren vom „Mensch ärgere dich nicht“ auf seine Finger steckt, bemerkt die Unterhaltung und starrt jetzt in den Gang.

Blümi möchte die vorderen Zimmer besuchen, Olivia und Rotkäppchen die hinteren, bis sich alle drei in der Mitte wiedertreffen. Während sie dies verabreden, öffnet sich schwungvoll die elektrische Tür der Station. Ein kahlköpfiger blasser Junge wird von einer Pflegerin im Rollstuhl in sein Zimmer geschoben. Wir erfahren, dass er Denis heißt und folgen ihm. Im Raum angekommen, treffen wir Finn, der das Bett neben ihm hat. Er lacht schallend, sobald die beiden Frauen ihn begrüßen. Mit seiner Spielknete ahmt er luftentweichende Geräusche nach.

Die beiden Clowninnen lassen sich herausfordern und imitieren mithilfe heimlich aufgepusteter Luftballons lange und laute Pupse. Auch der etwa 3-Jährige vom Gang, schaut immer wieder neugierig durch die halboffene Tür. Oftmals beobachten die ganz Kleinen aus sicherem Abstand, weil sie etwas länger brauchen, um mit den Clowns warm zu werden. „Weil die Clownfigur einfach sehr mächtig und neu für sie ist. Da kann man mit Musik oder Seifenblasen ganz sanft in Kontakt treten“, erklärte mir Elisa vorab.

Im nächsten Zimmer treffen wir Franz, der im Krabbelalter, also noch jünger ist. Olivia produziert sanfte Klänge mit einer Drehleier, doch seine Aufmerksamkeit gilt ausschließlich den bunten Fliegenklatschen von Rotkäppchen. Über seinen Kopf fliegende Seifenblasen faszinieren ihn nur kurz, lieber greift er nach den handförmigen Schlägern, die noch keinem Insekt etwas zuleide getan haben, sondern als Spielzeug dienen. Er juchzt und lacht über das klatschende Geräusch.

„Alles was gut ist, gegen krank“

Wenn Elisa spielt, schaltet sie den Kopf ab und agiert als Clownin Olivia. Sobald sie in ein Zimmer kommt oder die Station betritt, nimmt sie die dortige Atmosphäre wahr, lässt sich dann von Impulsen leiten und spielt was ist. Dabei achtet sie auf die Bedürfnisse der Kinder, Eltern, Krankenschwestern oder -pfleger und versucht diesen für einen Moment Raum zu geben. Oft ist es für die Kleinen schön mal die Kontrolle zu übernehmen oder hilfreich für die Angehörigen wenn sie sich kurz entspannen können.

„Mein Ziel ist es, alles zu machen was gut ist gegen krank. Das kann alles Mögliche sein. Das kann ganz lebendig und lustig sein, manchmal auch still und fantasievoll. Eine Umarmung kann gut tun. Generell glaube ich, dass Kontakt gut ist, also das in Beziehung treten, die Wertschätzung, sowohl dem Personal als auch den Eltern gegenüber. Ich spiele im Krankenhaus für alle“, beschreibt Elisa ihre Herangehensweise.

Olivia und Blümi sind am Bett eines Kindes ins Spiel vertieft. | Bild: Mediclowns e.V.

Olivia und Blümi sind am Bett eines Kindes ins Spiel vertieft. | Bild: Mediclowns e.V.

Elisas Verständnis der Clownsfigur

Die Begegnung mit einem Klinikclown 2006 und das anschließende erste Training beim Mediclowns e.V. beschreibt sie heute als Entdeckung ihres Lebens. „Was mich begeistert, ist die Figur des Clowns an sich, die für mich eine Art Bewältigungsstrategie für vieles Schwierige in der Welt darstellt, weil er mir erlaubt damit zu spielen.

Der Clown getraut sich alles anzusprechen, was er wahrnimmt, auch Ungerechtigkeiten die er sieht, aber immer aus einer Grundhaltung der Liebe heraus. Er ist grundsätzlich lebensbejahend. Für ihn ist es wichtig mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Zumindest ist das die Clownshaltung, die ich vertrete.“ Während Elisas Worte in mir nachhallen, überlege ich wie sich unter Anwendung dieser Werte der eigene Alltag positiver gestalten ließe. Elisa geht noch einen Schritt weiter. „Ich finde Clowns können überall in der Gesellschaft gut tun, weil sie erlauben Konventionen und Hierarchien fallen zu lassen und sich einfach menschlich zu zeigen, so wie man sich gerade fühlt.“

Die Leidenschaft für die Figur entwickelte sich mit der Zeit, parallel zu ihrer eigenen. Während ihrer Studienzeit trainierte sie intensiv und lernte dabei auch viel über sich selbst. „Dann hat es noch eine ganze Weile gedauert, bis ich in die Klinik mitgegangen bin. Im Laufe der Jahre habe ich mehr oder weniger intensiv gespielt. Aktuell bin ich fast jede Woche als Olivia aktiv.“

Als ich sie nach einem besonderen Erlebnis frage, erinnert sich Elisa an eine Jugendliche, die sie von mehreren Besuchen auf der Onkologie kannte. Damals studierte sie einen Song ihrer Lieblingssängerin auf der Ukulele ein. Als Olivia diesen zur Gehör brachte, weinte das Mädchen. „Das ist das Schöne als Clown. Man gibt dem Raum, was ist. Vielleicht hatten sich die Tränen schon länger angestaut und brauchten nur einen Auslöser. Aus meinem eigenen Spiel im Training kenne ich, wie heilsam es ist Gefühle einfach zuzulassen.“

Etwas (mehr) Clown im Alltag

Im für mich letzten Zimmer, nimmt die Plüschschnecke, der Olivia Leben einhaucht, den Mittelpunkt des Spiels ein. Als wir zu zweit den Raum betreten sitzt Antons Vater mit Blick aufs Handy neben dem Bett seines Sohnes. Er selbst guckt fern. Die Begeisterung über Besuch der Clowns ist eher verhalten. Olivia tritt vorsichtig neben den Jungen und die Schnecke stellt sich ihm vor. Fliegende Seifenblasen erregen nun seine Aufmerksamkeit.

Als einige Minuten später die Geschwister und Mutter das Zimmer betreten, sind Anton und Olivia in ein fantasievolles Spiel vertieft. Die Mutter hält sich abseits und schaltet fast unbemerkt den Fernseher aus. Antons Vater unterstützt inzwischen einen Zaubertrick, den Olivia mit einem Tuch vorführt, in dem er Seifenblasen pustet. Kurz bevor wir gehen, wünscht sich Antwon, dass er beim nächsten Mal ein Elefantenbaby zaubern möchte. Mit einem breiten Grinsen und Freude im Herzen verlasse ich das Zimmer.

Nach einer Stunde ist meine Zeit mit den Mediclowns vorbei. Sie besuchen noch weitere Stationen und ich gehe zum Fahrstuhl. Im Kopf habe ich das Lachen der Kinder, die Gesten der Clowns, die Leichtigkeit von Ehrlichkeit. Dabei habe ich immer noch die Worte von Elisa im Ohr „Was ist so schwierig daran, dass wir Menschen ehrlich auftreten und uns zeigen wie wir sind?“

Informationen zum Autor

Romy (32) wollte schon als kleines Kind Schriftstellerin werden. Sie liebt das geschriebene Wort und möchte mit ihren eigenen etwas bewegen. Sie ist kommunikativ, beobachtet gern Menschen und findet deren Geschichten spannend. Zu hinterfragen und analysieren gehört zu ihren Spezialitäten. Dresden ist inzwischen seit 10 Jahren ihre Wahlheimat, dabei entdeckt sie immer wieder neue Ecken. Sie liebt die vielfältigen Möglichkeit der Großstadt...

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