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Mehr als nur Knöpfchen drücken

Schon früh entdeckte Annette ihre Leidenschaft für die Bühne und die Technik dahinter. | Foto: privat

Eine Anästhesistin, die Theater spielt. Das gibt es in der Welt der Schauspielprofis eher selten. In der Welt des Amateurtheaters aber spielt jeder zu seiner Rolle auf oder hinter der Bühne noch eine eigene im Beruf. Annette Bundy spielt am Theaterhaus Rudi und hat ihre Liebe zur Technik hinter der Bühne entdeckt.

Die 41-Jährige Annette Bundy ist seit 2005 für die süßen Träume ihrer Patienten unter Narkose zuständig, seit 2016 arbeitet sie als Fachärztin. Der Traum vom Theater aber ist schon viel länger in ihr. Schon in der Schulzeit spielte sie regelmäßig, während ihres Studiums in Göttingen in erster Linie im dortigen Studententheater, dem “Theater im OP”. Dort entdeckte sie auch ihre Affinität zur Theatertechnik – besuchte einen Technikkurs, begann zu tüfteln und war seitdem vor allem neben oder hinter der Bühne zu erleben. „Obwohl ich die Technik zu Beginn überhaupt nicht interessant fand.“

Das hat sich geändert. Denn heute ist sie sozusagen die Frau für alles. Für Licht. Für Ton. Gewissermaßen für die Inspizienz. Und natürlich immer noch auch für die Bühne.

Annette Bundy arbeitet seit 2005 als Anästhesistin. Bei den Arbeitskollegen macht sie Werbung für Theaterstücke im Theaterhaus Rudi. | Foto: privat

Bei Anmeldung Amateurgruppe gefunden

Als Annette Bundy 2009 nach Dresden kam, suchte sie also nach Amateurtheatergruppen. Im Gutscheinheft, das sie von der Stadt für die Anmeldung ihres Erstwohnsitzes erhielt, fand sich dann der entscheidende Hinweis: Im Theaterhaus Rudi suchte die Gruppe “Eclectic Theatre” einen Techniker. Genau ihr Ding, entschied sie und nahm Kontakt auf. Seitdem gehört sie fest dazu. Bei bis zu zwei Aufführungen im Monat sitzt sie fürs Eclectic Theatre an der Technik, dazu kommt die Hauptprobenwoche vor einer Premiere.

Aber auf Dauer hat es sie doch gereizt, nicht nur hinter, sondern auch wieder auf der Bühne zu stehen – die Möglichkeit dazu ergab sich bei der Gruppe “Spielbrett”. Und so ist sie seit einigen Jahren Mitglied in beiden Theatergruppen – bei Spielbrett auf, bei Eclectic hinter der Bühne.

Hobby bleibt Hobby

Ob sie mal überlegt hat, ihr Hobby zum Beruf zu machen? „Nicht wirklich. Denn dann hätte ich ja gar kein Hobby mehr“, lacht sie und erzählt, dass sie jüngst ihre Arbeitszeit am Klinikum reduziert hat, um mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben zu haben.

Ihr Hobby bestimmt dann nämlich doch einen großen Teil ihrer Freizeit. Und manchmal geht die Liebe zum Theater so weit, dass ihr am OP-Tisch auch mal ein paar unpassende Zitate einfallen. Aus einer aktuellen Produktion oder einfach aus der Erinnerung heraus. (nein, nicht immer Hamlet: “O schmölze doch dies allzu feste Fleisch!”)

Neben der Arbeit an den Knöpfen steht Annette (links) auch mitten auf der Bühne des Theaterhaus Rudi. Die Amateurspielgruppe “Spielbrett” hat sie bei ihrer Einwohneranmeldung in Dresden gefunden. | Foto: privat

Theaterwerbung im OP

Unter ihren Kollegen verteilt sie mittlerweile regelmäßig „Bundys Kulturtipps (garantiert subjektiv und unvollständig)“ per E-Mail. Nachdem sie das ein oder andere Mal den dienstlichen Verteiler ihrer Abteilung für einen Hinweis auf eine Aufführung im Theaterhaus Rudi genutzt hatte, wurde sie nicht etwa angewiesen, den Unsinn zu unterlassen, sondern ihr Vorgesetzter bot ihr an, das doch einfach offiziell zu machen und einen Newsletter zu verfassen. Die Resonanz ist positiv, könnte aber besser sein, merkt sie an und hofft, den einen oder anderen Kollegen vielleicht doch noch mal öfter im Theaterhaus sehen zu dürfen.

2018 häufig im Theaterhaus Rudi

Denn dazu gibt es 2018 reichlich Gelegenheit. Mit der Gruppe Spielbrett sieht man sie aktuell als singenden und Gitarre spielenden Barkeeper im “Sommernachtstraum” oder in dem Stück “Zwei nette kleine Damen auf dem Weg nach Norden” als – ja, als nette kleine Dame.

Das Eclectic Theatre spielt in englischer Sprache “The Importance of being Earnest” und ab Mai 2018 “The Master Builder” (Baumeister Solness).

Ihre Liebe zum Amateurtheater hat sich Annette Bundy über viele Jahre bewahrt. „Das Herzblut, das alle in das jeweilige Projekt stecken, macht den Zauber aus“, beschreibt sie ihre Motivation. Und auch am Technikpult will sie weiterhin sitzen. „Das ist nämlich weit mehr als nur Knöpfchen drücken.“

In diesem Jahr kann man Annette mehrmals im Theaterhaus Rudi sehen. Unter anderem im Stück “Sommernachtstraum” ihrer Gruppe Spielbrett. | Foto: privat

Informationen zum Autor

Jan Claus ist gebürtiger Dresdner und hat lange "draußen" gewohnt. In Mittweida studiert, hat er viele Jahre als Freier Mitarbeiter für den Mitteldeutschen Rundfunk gearbeitet und ist derzeit Pressesprecher eines deutschen Ingenieurdienstleisters. Jan Claus lebt mit seiner Familie in Seidnitz, fährt Rad bis ihn der Schnee stoppt, liest gern Krimis und hört noch lieber Hörspiele. Zuhören ist generell sein Ding. Die Geschichte zur Geschichte erfahren und dann für HEY DRESDEN aufschreiben. http://www.heydresden.de

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