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#zerowaste – Ein Leben ohne Müll. Teil 1: Interview mit Unverpacktladen „Lose“

Berit in ihrem Laden “Lose”. 2015, als sie aufmachte, war sie in Deutschland erst der vierte unverpackt Laden. | Foto: Susann Hering

Gewiss, man muss nicht jeden Trend mit machen. Zerowaste ist allerdings viel mehr als nur die nächste Ökobewegung. Es ist ein Lebensstil zu dem wir alle mehr oder weniger beitragen können. Precycling wird als Nachfolger des Recycling Märkte und Wirtschaft verändern. Deswegen möchten wir euch in unserer neuen Serie in die tiefen von #zerowaste holen.

Berit vom Unverpacktladen „Lose“ in der Dresdner Neustadt, lebt diesen Lebensstil und gibt uns Einblicke in ihren Geschäftsalltag.

HEY DRESDEN: Was war deine Motivation „Lose“ zu gründen, in anderen Städten gibt es das Konzept eines Unverpackt-Ladens bereits?

Ich habe 20 Jahre in einem großen Dresdner Unternehmen gearbeitet und irgendwann „passte mir diese Jacke nicht mehr“. Ich wollte raus aus dem Hamsterrad. Da ich zu dem Zeitpunkt schon von der Idee des unverpackten Einkaufens wusste, war für mich völlig klar, dass ich solch einen Laden eröffnen möchte. Mein Umweltbewusstsein ist sehr stark ausgeprägt und mit Lose wollte bzw. will ich meinen kleinen Beitrag leisten, weil, mein „Lose Spruch“ ist: JEDER kann ETWAS tun!

Seit wann gibt es „Lose“?

Seit dem 1. April 2015

Unverpackt-Läden haben in Deutschland einen beeindruckenden Start hingelegt. Wie erklärst du dir, dass es in Dresden vorher nichts Vergleichbares gab?

Nun ja, Lose war der 4. Unverpackt Laden deutschlandweit. Nur 14 Monate vorher hatte Unverpackt Kiel eröffnet. Damit war Lose eigentlich von Anfang an mit am Start und in diesem Zeitraum begann die Bewusstseinserweiterung der Menschen im Grunde erst.

Wie nehmen die Dresdner die Idee an?

Ich kann sagen, dass ich von Anbeginn einen sehr guten Zulauf hatte, der im Grunde nie abgerissen ist. Es vergeht kein Tag, an dem nicht neue Kunden kommen, die entweder von mir gehört haben oder ihr Leben nachhaltig umgestalten wollen, weil sie einfach genug haben von all dem Müll, den sie bei jedem Einkauf nach Hause tragen und entsorgen müssen.

Wie denkst du, sieht einkaufen in der Zukunft aus?

Schwierige Frage. Mittlerweile gibt es auch Großmärkte, die teilweise auf verpackungslose Produkte setzen. Das ist aber meiner Meinung nach der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.

Lebst du selbst zu 100% zerowaste?

Nein. Das wäre glatt gelogen. 100% ist schlicht und ergreifend nicht möglich. Das liegt einfach daran, dass es bestimmte Produkte nicht verpackungslos zu kaufen gibt. Aber meine Quote beträgt schätzungsweise 90%. Der Rest besteht aus Biomüll und Glas, welches aber entweder immer wieder verwendet wird oder auf Pfandbasis beruht.

Wann war der Moment, indem du dich entschieden hast „zerowaste“ zu leben und warum?

Das kann man als DEN Moment eigentlich gar nicht so beschreiben. Das war ein Prozess, der bei mir allerdings schon sehr früh begonnen hat. Ich habe schon kurz nach der Wende Mülltrennung betrieben und erinnere mich noch genau, wie ich einen Kugelschreiber auseinander nahm und in Plastik, Metall und Restmüll unterschied.

Feste Zahnpasta, Bambuszahnbürsten, feste Dusch-/Haarseife und noch vieles mehr findest du im Unverpacktladen „Lose“ in der Dresdener Neustadt | Foto: Susann Hering

 

Wenn du jeweils 3 Vorteile und 3 Nachteile über den zerowaste Lifestyle benennen müsstest, welche wären das?

Die Vorteile liegen eigentlich klar auf der Hand. 1. natürlich die Vermeidung von Müll. Dadurch 2. eine enorme Entlastung für unsere Umwelt. Und der 3. Punkt ist für mich, dass man mit seinem Lebensstil auch immer Menschen zum Nach- und Umdenken anregen kann und sich somit der Gedanke der Nachhaltigkeit immer mehr ausbreitet.

Es tut mir wirklich leid, aber so sehr ich auch darüber nachdenke, mir fallen einfach keine Nachteile ein. In meinem praktizierten Alltag gibt es jedenfalls keine.

Geht es dir nicht manchmal auf die Nerven und ist es dir nicht manchmal zu zeitaufwändig? Möchtest du manchmal wieder „zurück“?

Zurück möchte ich natürlich auf keinen Fall! Wenn man sich einmal für solch eine Art zu leben entschieden hat, dann gibt es irgendwann kein zurück mehr. Jedenfalls nicht für mich. Ehrlich gesagt, ich könnte das auch gar nicht. So würde ich z.B. lieber „Hunger leiden“, als mir irgendwo etwas To go zum Essen zu besorgen.

Was ist für dich der größte Aha-Effekt bisher gewesen, seitdem du zerowaste lebst?

Schlicht und ergreifend die Frequenz des Müllwegbringens. Die Umstellung hat sich schlagartig bemerkbar gemacht und mittlerweile müssen wir nur noch ca. aller 1,5 bis 2 Wochen zur Mülltonne.

Was ist für dich das Wichtigste, das du in der Zeit ohne Müll gelernt hast?

Einfach, dass es halt auch ohne bzw. sehr viel weniger geht, wenn man es wirklich will. Und es ist im Grunde auch gar nicht so schwer. Man muss sich mit dem Thema einfach nur beschäftigen und dann einen Schritt nach dem anderen machen.

Planst du eine Vergrößerung deines Ladens oder eine Zweiteröffnung?

Klares Nein. Ich habe von Anfang gesagt, dass es keinen zweiten Laden geben wird. Ich mache um alle „Ketten“ große Bögen und selbst, wenn die „Lose Kette“ vielleicht eine gute wäre, so wäre es doch eine Kette. Ich möchte auch nicht Chefin von zwei oder gar mehr Läden sein, die dann nur noch mit Personalbetreuung und dergleichen beschäftigt ist. Ich möchte in meinem Laden stehen und bei den Kunden sein. Gespräche führen, Inspirationen geben und auch bekommen. Lose ist eine Familie geworden. Das möchte ich auf keinen Fall aufgeben!

Was wirst du am häufigsten von deinen Kunden gefragt?

Die meist gestellte Frage ist eigentlich, wie die Sachen bei mir ankommen und diese Frage finde ich absolut legitim. Meine Antwort ist dann immer, dass das Beamen leider noch nicht erfunden wurde und die Waren natürlich verpackt geliefert werden müssen. Aber: es handelt sich dabei IMMER um sogenannte Großgebinde, also z.B. 25 Kilo Haferflocken, 22 Kilo Cashewkerne, 12,5 Kilo Müsli, 10 Kilo Cornflakes usw. Und alle anfallenden Verpackungen werden möglichst einem zweiten Leben zugeführt. Da gibt es mittlerweile schon Kooperationen mit Kunden, die bestimmte Sachen bei mir abholen.

Womit empfiehlst du mir anzufangen, wenn ich ein zerowaste-Neuling bin? Hast du Tipps für uns?

Unbedingt klein anfangen und sich Schritt für Schritt vorarbeiten. Wenn man sofort alles umstellen und richtig machen will, kann einem das die Lust nehmen, weil man an zu vielen Baustellen gleichzeitig arbeitet und am Ende ist man vielleicht frustriert und gibt wieder auf. Vielleicht zwei Dinge, die ganz einfach umzusetzen sind und einen leichten Einstieg bedeuten: 1. immer einen Stoffbeutel dabei haben und 2. anstatt der Obst- und Gemüsetüten im Supermarkt, Obst und Gemüse entweder lose kaufen oder eben einen Beutel oder ein Netz dabei haben. Gibt’s beides bei Lose. 😉

Danke liebe Berit für das tolle Interview. Na, hast du auch Lust bekommen weniger Müll zu produzieren und umzusteigen? Werde auch du zum ZeroHero und verrate uns gern, wo du im Alltag schon bewusst auf Müll verzichtest.

Unverpacktladen „Lose“

Böhmische Str. 14 – 01099 Dresden
Montag bis Freitag 10 bis 13:30 und 14:30 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr

Informationen zum Autor

Susann Hering ist Life Coach und Lifestyle Bloggerin (www.susann-hering.de). Ihre Vision ist es Menschen dabei zu unterstützen ihr volles Potenzial zu leben, ihrem Seelenplan zu folgen und ihre optimale individuelle Ernährung zu finden. Dafür wirkt sie nicht nur in Dresden, sondern auch international in Österreich und der Schweiz via Skype oder den sozialen Medien. Sie inspiriert dich bei YouTube, Facebook, Instagram und auf ihrem Blog.

Ihr Blog www.susann-hering.de ist gefüllt mit Themen rundum moderne Spiritualität, das Unterbewusstsein, Susanns Erlebnissen im Coaching, viel über einen gesunden Lifestyle und einfache Rezepte.

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