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Mit großen Schritten Richtung Zukunft: Open Data im Stadtmuseum

Sich online über lohnenswerte Veranstaltungen informieren? Vor zehn, zwanzig Jahren noch undenkbar – heute aber eher der Regelfall als die Ausnahme. Es hat sich viel getan im Bereich technischer Neuerungen: Smartphones, mobiles Internet, Online-Shopping. Bei all den Neuerungen ist jedoch etwas auf der Strecke geblieben: der deutsche Verwaltungsapparat.

opendata

Photo by justgrimes via Flickr (CC BY-SA 2.0)

Es sind riesige Datenmengen, die die Kommunen und der Staat im Zuge vieler verschiedener Verwaltungsaufgaben erheben. Qualitätsberichte verschiedenster Art, Daten über Immobilien, Verkehr, über die Schadstoffbelastung der Umwelt, über soziale Einrichtungen. Von Steuern bezahlt, bleiben sie meist dennoch interne Informationen der Verwaltung – bisher. Denn die Veröffentlichung dieser Daten birgt großes wirtschaftliches Potenzial, wie Pencho Kuzev 2016 in einer Studie im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung bestätigte. Die Ergebnisse und Hintergründe seiner Arbeit wird der Wissenschaftler am 10. Januar um 19 Uhr im Dresdner Stadtmuseum vorstellen.

Kuzev ist erfolgreich in dem, was er tut. Sein Themengebiet ist im Kommen. Er ist sicher: „Wir brauchen dringend einen Kulturwandel und eine Reformation unseres Informationsrechtes. Open Data, das heißt veröffentlichte Verwaltungsdaten, können der erste Schritt auf dem Weg dahin sein.“ Deutschland sei auf dem Gebiet alles andere als Vorreiter, meint er: „In manchen Bundesländern gibt es noch nicht einmal ein Gesetz zur Informationsfreiheit“. Aber: Es kommt Bewegung in das Thema. Gemeinsam mit seiner Studie hat Kuzev im April dieses Jahres auch Handlungsempfehlungen veröffentlicht, denen schnell Taten aus dem Kanzleramt folgten. Im September kündigte Merkel an, noch in dieser Legislaturperiode ein Open-Data-Gesetz verabschieden zu wollen. Ein Gesetzesentwurf dazu existiert schon. Außerdem ist Deutschland der „Open Government Partnership“ beigetreten, einer Vereinigung von über 70 Staaten, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Qualität staatlichen Handels mithilfe offener Verwaltung zu verbessern.

Potenzial für Wirtschaft und Alltag

Aber die Ziele der Open-Data-Bewegung sind nicht rein philanthropisch: „Wie sehr die deutsche Wirtschaft von Open Data profitieren könnte, hängt stark davon ab, in welcher Art und Weise die Politik an das Thema herangeht. Setzt sie unsere Vorschläge um und verfolgt damit für Deutschland eine proaktive Strategie, so dass wir mit anderen Ländern aufschließen, ohne sie dabei unbedingt überholen zu wollen, ist ein wirtschaftliches Potenzial von 43,1 Mrd. Euro pro Jahr realistisch.“ Im Zuge dieser wirtschaftlichen Chancen sollen nicht nur Verwaltungsprozesse schlanker und effektiver werden – auch der Alltag der BürgerInnen wird auf unzählige Arten erleichtert.

Ein Beispiel dafür ist die Dresdner App „ParkenDD“. Weil die Stadt Dresden in Echtzeit die Parksituation aller öffentlichen Parkanlagen online stellt, ist es den Betreibern dieser App möglich, Nutzern jederzeit die aktuelle Parksituation abzubilden. So werden benötigte Zeit und Verkehrschaos minimiert – und nicht nur das: Weil die Daten langfristig ausgewertet werden, sind sogar Vorhersagen über die Parkplatzsituation mehrere Monate im Voraus möglich.

Mithilfe von Open Data lässt sich mehr als nur die Parkplatzsuche perfektionieren. Bei einem Umzug sind, wie beim Kauf einer Immobilie, Informationen wie die Verkehrsbelastung, Trinkwasserqualität, Schadstoffbelastung der Stadt, ihre Wirtschaftskraft und nahegelegene Kindergärten und Schulen relevant. Bei der Wahl der geeigneten Schule interessieren nicht nur Anschrift und der Name des Direktors, sondern möglicherweise auch das pädagogische Konzept, hygienische Verhältnisse und der Ausbildungsgrad der LehrerInnen. All das sind Informationen, die die Verwaltungen zur Verfügung stellen können, um so Entscheidungsfindungen und jedermanns Alltag zu erleichtern und effektiver zu machen.

„Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen“

Dennoch ist Open Data ein Thema, bei dem sich die Geister scheiden. Oftmals zu Unrecht, wie Pencho Kuzev einwirft: „Viele argumentieren gegen Open Data, weil sie das Konzept nicht richtig verstanden haben. Bei Open Data geht es nicht um personenbezogene Daten, sondern um öffentliche. Die Open-Data-Bewegung handelt nach der Hacker-Maxime: öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.“ Auch gegen ein anderes Argument der Gegner wehrt er sich: „Weil wir fordern, dass unverarbeitete Rohdaten veröffentlicht werden, haben manche die Angst, dass diese Rohdaten von verschiedenen Gruppen falsch interpretiert und dann zur Panikmache genutzt werden. Der Bevölkerung deswegen Informationen vorzuenthalten, ist aber keine Lösung. So funktioniert die Demokratie nicht.“

Das Neue, Unbekannte an Okuzevpen Data ist es, das der Wissenschaftler besonders spannend findet: „Es werden sich viele neue Möglichkeiten eröffnen, die wir heute noch nicht vorhersehen können.“ Auch neue Geschäftsmodelle entstehen, wie erste Versuche mit Open Data schon zeigen. „Wenn freie Entwickler von zu Hause aus auf die Daten zugreifen können und so die Datensätze sehen und kreativ kombinieren können, entstehen schnell nützliche und innovative Geschäftsideen“, hofft er.

Kuzev hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt, denn um tatsächlich einen Wandel zu bewirken, müssen PolitikerInnen die breite Öffentlichkeit für das Thema begeistert werden. „Wichtig ist vor allem politische Unterstützung von oben. Wenn die Regierenden vom Prinzip Open Data überzeugt sind, überträgt sich das auch auf die Massen“, hofft er und gibt zu bedenken: „Wir müssen vor allem die Chancen erkennen, die uns neue Technologien bieten. In Zeiten sinkenden Vertrauens in die Politik brauchen wir die Transparenz, die Open Data uns bieten kann.“

Wer sich von Pencho Kuzev in die Zukunft von Verwaltung und Politik entführen lassen will, ist am 10. Januar um 19 Uhr herzlich ins Dresdner Stadtmuseum eingeladen. Die Veranstaltung „Kreativität durch Beteiligung: Open Data als Geschäftsprinzip“ in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung ist kostenlos und nicht nur für Mitglieder von Verwaltung, wissenschaftlichen Einrichtungen und der Data Community spannend.

Informationen zum Autor

Alisa ist eine junge Politikstudentin aus Dresden und schreibt über Politik / Gesellschaft / Leute ... Willkommen im Team! http://www.whothefckisalice.wordpress.com

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