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Woran erkenne ich, dass es Zeit wird den Job zu wechseln?

Stehst Du neben Dir im Job? | Bild: Karriere_Teil2_Teaser.jpg ©️ pixabay/Free-photos

Es ist nicht immer sofort klar und offensichtlich, dass ein Jobwechsel gut täte. Häufig zeigt sich die Unzufriedenheit auch in vielen kleinen Momenten. Karriere-Coach Maria Ehrenberg hat täglich mit Menschen zu tun, die hadern und weiß wann wir sicher sein können, dass es an der Zeit ist, eine Jobalternative anzupacken.

Rückblick:

Ich war ca. drei Jahre Marketingangestellte in einem stetig wachsenden Unternehmen, als ich mitten in einem großen Projekt steckte, welches eine „never endings story“ zu werden schien.
Mein übliches Tagesgeschäft lief längst nur noch nebenbei und halbherzig. Hinzu kam, dass mit dem Andauern dieses Zustandes meine Produktivität immer mehr abnahm. Ich war gereizt, unter Druck, aber gleichzeitig außerstande schneller zu arbeiten oder noch mehr Überstunden zu machen.

Erschwerend hinzu kamen die Bedingungen um mich herum, die an meinen Nerven zerrten. Das Team war so stark gewachsen, dass wir inzwischen ein typisches Großraumbüro füllten, wo nonstop Aktion herrschte. Telefonkonferenzen die locker 2 Stunden andauerten, die anschließende Auswertung mit den Kollegen oder Vorgesetzten, spontane Absprachen am Platz oder Brainstormings. Oft betäubte ich dieses Tohuwabohu mit InEar-Kopfhörern.

Die Musik meiner Playlist gab mir die Möglichkeit mich von Außen abzuschotten und meine Gedanken zu fokussieren. Manchmal dauerte es nur wenige Minuten bis ein Kollege fuchtelnd neben mir stand oder mir auf die Schulter tippte, um meine Aufmerksamkeit zu erregen, weil er oder sie eine Frage oder Bitte hatte.

Nachts lag ich oft wach und grübelte noch immer über Situationen, die sich im Büro abgespielt hatten oder Aufgaben die ich zu lösen hatte. Auf meinem Schreibtisch stapelten sich die ToDos, ich jedoch wurde zunehmend unproduktiver und uneffektiver.

Raus aus dem Gedankenkarusell! | Bild: Raus aus dem Gedankenkarusell.jpg ©️pixabay/FrankWinkler

Analysiere deine berufliche Situation ohne im Gedankenkarussell festzuhängen

Von solchen und ähnlichen Erlebnissen hört Maria Ehrenberg, Karriere- und Business-Coach in Dresden, oft von ihren Kunden. Angestellte erzählen ihr, dass sie im falschen Job gefangen sind und in einem Gedankenkarussell festhängen. „Soll ich kündigen oder nicht? Was kommt dann? Soll ich die Sicherheit aufgeben? Aber wofür? Was sind dann meine beruflichen Alternativen?“, zweifeln viele an sich und ihrem Job.

Maria Ehrenberg (M.E.):
„Zunächst einmal solltest du aufmerksam sein. Das hier etwas nicht richtig läuft und es dir womöglich nicht gut geht, solltest du ernst nehmen.“, empfiehlt Ehrenberg, „Wenn Angestellte merken, dass etwas mit ihrer beruflichen Situation nicht passt, befürchten sie häufig, sofort Großes verändern zu müssen. Da haben viele das Bild von krassen beruflichen Wechseln im Kopf, die durch die Medien gehen. Vom Bäcker, der Survivaltrainer wird oder vom Konzernchef, der aussteigt und eine kleine Öko-Pension auf dem Land betreibt oder eine Verkäuferin, die mit Mitte 30 nochmal neu anfängt und ihren Traum vom Medizinstudium verwirklicht.“

Das kann zwar reizvoll wirken, aber auch Angst machen

Zurück auf Start.

Nach dem ich aus dem Hamsterrad ausbrach, brauchte ich drei Monate um auf Arbeit zurückzukehren. Anfangs ging ich nur wenige Stunden, dann in Teilzeit. Nur hatte sich etwas verändert. Ich erledigte mir vertraute Aufgaben mit weniger Hingabe. Ich tat sie wie gewohnt, jedoch lösten sie keinerlei Regung in mir aus, als täte ich sie so automatisch wie ein gefühlsarmer Reporter.

Auch fiel mir auf, dass ich länger brauchte als gewöhnlich. Als würde ich langsamer denken oder wäre verunsichert, ob ich es richtig tat. Irgendwann wurde ein Gedanke in mir laut „Ich habe die Leidenschaft für diesen Job verloren“. Ich verdrängte ihn. Auch wenn er immer mal wieder hochkochte, setzte ich gedanklich die Dinge daneben, die ich nach wie vor schätzte. Ich mochte das Team, auch wenn es Lautstärke und Unruhe am laufenden Band erzeugte. Ich wusste die Vorzüge jedes Einzelnen zu schätzen. Gemeinsam mit ihnen an einer Sache zu arbeiten hatte mir immer viel Freude bereitet.

Außerdem gehörte ich inzwischen viele Jahre zum Unternehmen, hatte mich von Anfang an mit der Marke und den Produkten identifiziert. In keinem anderen Job könnte ich mit so reichlich Fachwissen punkten. Zumindest glaubte ich das. Wie unzufrieden und zugleich planlos ich tatsächlich war, fiel mir erst auf als mich eine Freundin darauf ansprach. Sie fragte was ich ändern wollte oder welche Tätigkeiten mich denn mehr erfüllen würden. Ich konnte es nicht beantworten. Ich drehte mich offenbar im Kreis.

Gehe einen Schritt nach dem anderen zur Veränderung

Mit ihren Kunden arbeitet Ehrenberg erst einmal heraus, was die Faktoren sind, die im aktuellen Job nicht passen.

Maria Ehrenberg (M.E.):
Wir fragen: Liegen dir die Inhalte, mit denen du zu tun hast? Bist du fachlich dafür geeignet? Macht die Arbeit Sinn? Sind die Rahmenbedingungen der Stelle gut?

Die Arbeit im Großraumbüro kann für sensible Gemüter und für Arbeiten, die hohe Konzentration erfordern, schlichtweg ungeeignet sein. Wie sieht es mit der sozialen Komponente aus? Fühlst du dich menschlich aufgehoben und wertgeschätzt?

Darüber hinaus gibt es natürlich auch innere Faktoren, wie Einstellungen, Erwartungen, die beeinflussen, wie zufrieden du mit der Arbeit bist. Es wird also genau analysiert, was den Hadernden unzufrieden macht. Davor sollte niemand einfach die Segel streichen und ohne Alternative den Job kündigen.

Mit der Zeit dachte ich intensiver darüber nach, was ich ändern konnte, um meine Zufriedenheit zurückzugewinnen. Nun formulierte ich meiner Freundin gegenüber recht klar, dass ich wieder mehr schreiben wollte, dass ich weniger Zeit sitzend verbringen wollte, lieber eine Kombination aus Aktivität und Bürotätigkeit wählen. Gemeinsam kamen wir darauf, dass unterwegs sein und Leute kennenlernen sowie Geschichten aufschnappen, um sie später aufzuschreiben, toll wäre. Ich sah es quasi vor meinem inneren Auge, wie ich rumfuhr, mit Leuten sprach und dann in aller Ruhe einen inspirierenden Text daraus machte.

Kurze Zeit später kamen die Zweifel. Ich wäre doch gar nicht gut genug. Eine ziemlich wahrscheinlich freiberufliche Tätigkeit konnte ich mir nicht vorstellen, zu viel Risiko. Eine Festanstellung hingegen ist viel sicherer. Also schob ich die fixen Ideen zur Seite und konzentrierte mich auf meine sichere Bank und blieb in meinem Job.

Als ich einige Monate später unter Herzschmerzen litt, die sich als verkrampfter Brustkorb herausstellte, fragte mich mein behandelnder Therapeut während einer Sitzung, ob es irgendetwas gäbe was mich schon länger beschäftigte, zu dessen Veränderung mir aber der Mut fehlte. Ich dachte an meinen Job und sofort liefen mir Tränen der Verzweiflung. In diesem Moment wusste ich, dass ich etwas tun musste, denn mein Körper rebellierte bereits.

Mit Babyschritten zum Umbruch. | Bild: Babyschritte zum beruflichen Erfolg.jpg © pixabay/FeeLoona

Bestandsaufnahme: mit Babyschritten Richtung Umbruch.

Maria Ehrenberg (M.E.):
Ein erster Schritt für jemanden, der unglücklich im Job ist, ist eine Bestandsaufnahme.

Was stresst mich? Was ärgert mich? Was kostet mich Kraft? Aber auch:

Was mache ich gerne? Was freut mich? Was gibt mir etwas?

Im nächsten Schritt kannst du dann schauen, welche der Faktoren du beeinflussen kannst. So kann ich meine Kollegen nicht ändern, wohl aber meinen Umgang, Kommunikation mit ihnen und meine Erwartungen an sie. Die Arbeitslast ist zu hoch? Dann solltest du das Gespräch mit Vorgesetzten suchen und gemeinsam Lösungen finden.

Lassen sich die stressenden Faktoren nicht positiv verändern, dann wird es Zeit für einen Wechsel. Spätestens jetzt solltest du die Gedanken über berufliche Alternativen machen. Aber bitte alles in Babyschritten: „Absolut wichtig ist, diese großen beruflichen Themen nicht in einem Ruck erledigen zu wollen, sondern sich immer wieder auf kleine, umsetzbare Schritte zu besinnen.“, bekräftigt Ehrenberg.

Status Quo

Ebenfalls in kleinen Schritten habe ich mich meinem Wunsch interessante Menschen zu treffen und deren Geschichten festzuhalten, genähert. Ich qualifizierte mich zum Online-Redakteur und schrieb nebenbei. Ich war überrascht, welche Türen sich öffneten. Sich Dinge ergaben, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Während ich die Woche über journalistische Theorie paukte, schrieb ich an den Nachmittagen und Wochenenden für unterschiedliche Magazine. Bis heute schreibe ich nebenbei Artikel, arbeite jedoch auch wieder im Marketingbereich, auch dort textlastiger als früher.

Maria Ehrenberg ist Karriere-und Business Coach in Dresden. | Bild: Bianca Svoboda

Über Maria Ehrenberg

Maria Ehrenberg ist Karriere- und Business-Coach in Dresden.
Sie zeigt Angestellten, wie sie ihre Stärken in ihrem jetzigen oder einem neuen Job erfolgreich einbringen und zufrieden arbeiten.

Selbständige begleitet sie beim Auf- und Ausbau ihres Unternehmens. So führen Sie ihr Geschäft mit einem klaren Angebot und stimmigem Marketing.

Karriere- und Business-Coach Maria Ehrenberg begegnet der Frage nach Stärken in fast jedem ihrer Einzelcoachings oder Seminare, wo ihr vor allem Menschen begegnen, die sich beruflich neu orientieren wollen. Nach ihrem Erleben können die wenigsten Menschen ihre Stärken aus dem Effeff benennen und anhand von Beispielen belegen. Viele glauben sogar, gar keine Stärken zu haben. Dies liegt häufig daran, dass wir unsere eigenen Stärken nicht als solche wahrnehmen. Sie sind für uns selbstverständlich oder scheinbar nicht ausgeprägter als bei anderen, so dass wir fast blind für sie sind.

Informationen zum Autor

Romy (32) wollte schon als kleines Kind Schriftstellerin werden. Sie liebt das geschriebene Wort und möchte mit ihren eigenen etwas bewegen. Sie ist kommunikativ, beobachtet gern Menschen und findet deren Geschichten spannend. Zu hinterfragen und analysieren gehört zu ihren Spezialitäten. Dresden ist inzwischen seit 10 Jahren ihre Wahlheimat, dabei entdeckt sie immer wieder neue Ecken. Sie liebt die vielfältigen Möglichkeit der Großstadt...

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