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Was kann ich tun, wenn ich meine Kollegen nicht mag?


Wenn ich mit Freunden und Bekannten über deren kritische Arbeitssituationen spreche, fällt mir häufig auf, dass es meist dann unerträglich für sie wird, wenn es Trouble mit den Kollegen gibt. Ein blödes Meeting oder ein langwieriges Projekt lässt sich, mit der Aussicht auf Besserung, noch aushalten. An die Nieren geht es den meisten, wenn es Stunk im Team gibt und die Konflikte unlösbar scheinen.

Passend dazu, sagte Dr. Eckart von Hirschhausen vor kurzem in einer Talkshow, dass es auf Dauer nicht gesund sei, sich von negativen Energien auf Arbeit abschotten zu müssen.

Privates Drama in Dauerschleife

Meine Freundin Laura, arbeitet in einem Friseursalon und erzählte mir kürzlich von den Angewohnheiten ihrer Chefin. Nach ihrem Empfinden verhält sich diese im Laden, als stünde sie in ihrem privaten Wohnzimmer. Sobald ein Kunde oder eine Kundin auf ihrem Stuhl Platz genommen hat, schüttet sie ihr Herz aus. Dabei spart sie nicht mit intimen Details und reichlich Gemecker.

Innerhalb weniger Minuten findet sich der- oder diejenige auf dem privaten Schauplatz einer nahezu fremden Person wieder. Während der oder die Geplagte nach spätestens einer Stunde wieder auf freiem Fuß ist, hören die Kollegen die jeweils aktuellen Geschichten mehrfach am Tag. Jedes Mal steigert sich die Chefin aufs Neue in ihr ganz persönliches Drama hinein und schildert ihr Empfinden lautstark.

Ihre Mitarbeiter schämen sich nicht nur fremd, sondern schaffen es kaum den eigenen Small Talk am Laufen zu halten. Einmal beobachtete Laura einen jungen Mann, der zum ersten Mal im Salon war und vom Verlauf des Termins sichtlich überfordert schien. Völlig irritiert lauschte er den Berichten und zog ein wenig den Kopf ein, als die Frau hinter der Schere den Höhepunkt ihrer dramatischen Erzählung erreichte. Laura hatte zutiefst Mitleid und wies ihm nach dem Bezahlen schnell den Weg zur Tür.

Man sieht die Arme von zwei Personen, welche sich gerade die Hand schütteln. Im Hintergund ist ein Schreibtisch mit Utensilien darauf zu erkennen.

Bestenfalls lässt sich der Konflikt friedlich klären.

Im Konflikt bei sich bleiben


Von Berufs-Coach Maria Ehrenberg wollte ich wissen, wie sie Lauras Lage und vor allem ihre Handlungsmöglichkeiten einschätzt.

An diesem Beispiel sehen wir sehr plastisch wie störend manche Angewohnheiten von Kollegen oder Chefs sein können. Es kann kompliziert werden, wenn sie auch noch in unterschiedlichen Rollen aufeinandertreffen, wie hier im Angestellten-Vorgesetzten-Verhältnis.

Laura empfindet die Chefin mit ihren dramatischen Erzählungen als peinlich und ist durch die ewigen Wiederholungen gelangweilt. Im Gegensatz zum Kunden, ist sie diesen „Störungen“ zudem täglich ausgesetzt.

Sie und ihre Chefin scheinen ganz unterschiedliche Umgangsstile zu pflegen. Jemand anderes würde die Erzählungen vielleicht gar nicht als so dramatisch und störend empfinden. Vielleicht ist das dramatische und laute Hineinsteigern in die Erzählungen, die Art wie die Chefin ihren Kunden einen besonderen Service bietet, vielleicht kann sie auch schlichtweg in Gegenwart eines fremden Menschen nicht mit der ungewohnten Stille umgehen.

Als erstes würde ich Laura, die unter dem lauten Auftreten der Chefin leidet, empfehlen sich eine „Erste-Hilfe-Strategie“ für die stressigen Situationen zu überlegen. Das kann alles sein, was ihr grundsätzlich hilft, bei sich zu bleiben. Beispiele: Bewusst auf die Atmung achten, kurz auf die Toilette oder in den Pausenraum gehen, um sich dort zu sammeln.

Im nächsten Schritt hilft es, sich in Ruhe ein paar Fragen zu beantworten. Durch diese gewinnt man einen anderen Blick auf solche oft eingefahrenen Situationen. Wann fühle ich mich gestört? Wie oft passiert das? Was genau passiert da? Gibt es bestimmte Konstellationen, in denen ich mich eher gestört fühle? Fühle ich mich immer gestört von den Erzählungen oder gibt es Ausnahmen?

Diese Fragen können ihr helfen, die unangenehme Situation aus einer Beobachterposition zu betrachten. Dadurch ist sie nicht mehr auf ihr Genervtsein fokussiert, sondern weitet ihren Blick und nimmt noch andere wichtige Aspekte wahr.

Wenn sie daraufhin feststellt, dass sie definitiv nicht gut arbeiten kann, wenn ihre Chefin „aufdreht“, kann sie das 4-Augen-Gespräch suchen. Sollte die Vorgesetzte keine offenen Ohren für die Kritik haben und es persönlich nehmen, kann das die Stimmung noch mehr vergiften. Laura sollte also unbedingt berücksichtigen, wie kritikfähig die Chefin ist und ihre Kritik neutral formulieren. Wichtig ist, bei sich selbst zu bleiben und sogenannte Ich-Botschaften zu senden: „Ich kann mich nicht auf meine Arbeit konzentrieren, wenn …“, „Ich verstehe die Anrufer zur Terminvereinbarung kaum, …“.

Vermutlich gibt es bei Laura keinen Betriebsrat oder eine andere Art der Arbeitnehmervertretung, bei denen sie sich Rat holen könnte. Aber vielleicht gibt es eine Kollegin, zu der sie ein vertrauensvolles Verhältnis pflegt. An diese Kollegin könnte sie sich wenden um ihre Sorge anzusprechen und um einen Tipp zu erfragen. Hierbei sollte sie darauf achten, dass kein Getratsche entsteht oder der Eindruck, sie wolle die Chefin hintergehen.

Fruchten alle diese Maßnahmen nicht, bleibt nur eine Entscheidung getreu dem Motto „Love it, change it or leave it.“. Wenn weder „Erste-Hilfe-Strategie“, noch die Versuche etwas zu ändern, wirkungslos beiben und sie sich nicht mit dem Verhalten ihrer Chefin „anfreunden“ kann, bleibt nur der Jobwechsel. Fakt ist aber, dass es auch in anderen Jobs Chefinnen und Kollegen geben kann, deren Verhalten man schwierig findet. Nirgends ist es 100%g perfekt, jedoch können wir etwas finden, wo wir uns wohlfühlen.

Über Maria Ehrenberg


Maria Ehrenberg ist Karriere- und Business-Coach in Dresden.
Sie zeigt Angestellten, wie sie ihre Stärken in ihrem jetzigen oder einem neuen Job erfolgreich einbringen und zufrieden arbeiten.

Selbständige begleitet sie beim Auf- und Ausbau ihres Unternehmens. So führen Sie ihr Geschäft mit einem klaren Angebot und stimmigem Marketing.

Karriere- und Business-Coach Maria Ehrenberg begegnet der Frage nach Stärken in fast jedem ihrer Einzelcoachings oder Seminare, wo ihr vor allem Menschen begegnen, die sich beruflich neu orientieren wollen. Nach ihrem Erleben können die wenigsten Menschen ihre Stärken aus dem Effeff benennen und anhand von Beispielen belegen. Viele glauben sogar, gar keine Stärken zu haben. Dies liegt häufig daran, dass wir unsere eigenen Stärken nicht als solche wahrnehmen. Sie sind für uns selbstverständlich oder scheinbar nicht ausgeprägter als bei anderen, so dass wir fast blind für sie sind.

Informationen zum Autor

Romy (32) wollte schon als kleines Kind Schriftstellerin werden. Sie liebt das geschriebene Wort und möchte mit ihren eigenen etwas bewegen. Sie ist kommunikativ, beobachtet gern Menschen und findet deren Geschichten spannend. Zu hinterfragen und analysieren gehört zu ihren Spezialitäten. Dresden ist inzwischen seit 10 Jahren ihre Wahlheimat, dabei entdeckt sie immer wieder neue Ecken. Sie liebt die vielfältigen Möglichkeit der Großstadt...

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