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Verregneter Sommernachtstraum im Theaterhaus Rudi

Sommernachtstraum – Foto Tanja Kirsten

Amateurtheatergruppe Spielbrett spielt mit „Ein Sommernachtstraum – eine äußerst
tragische Komödie“ ihren elften Shakespeare.

Das Theaterhaus Rudi ist Spielstätte zahlreicher Amateurtheatergruppen. So ist auch Spielbrett seit vielen Jahren eine feste Größe auf den vier Bühnen im denkmalgeschützten Gebäude in Kaditz. Die Truppe rund um Regisseur Ulrich Schwarz spielt ihre Stücke aber auch gern in Schlosshöfen, Kneipen oder auf Freilichtbühnen. Zu diesem Zweck reisen sie samt Gefolge jeden Sommer eine Woche lang mit Planwagen und Pferd durchs Land.

Am Sonntag, den 23. April 2017 war Spielbrett mit „Ein Sommernachtstraum – eine äußerst tragische Komödie“ im Theaterhaus Rudi zu erleben. Mit diesem Stück inszenierte Schwarz bereits seinen elften Shakespeare. Neun Schauspieler spielen sich hier, jeder in einer Doppelrolle, durch die mittlerweile über 400 Jahre alte Story: König Theseus wird die besiegte Königin Hippolyta heiraten. Hermia, hier zeitgemäß die Tochter eines Bankiers, soll nach dessen Willen mit dem reichen Demetrius verheiratet werden. Sie liebt aber Lysander und flieht mit diesem vor der Zwangshochzeit in den Wald. Demetrius hingegen hat Helena derart schöne Augen gemacht, dass sie gar nicht mehr von ihm lassen kann. Leider hat er aber rein gar nichts für sie übrig.

Noch mehr Schwung bekommt die Geschichte durch das Hinzufügen eines weiteren Liebespaares: Geisterkönig Oberon und Feenkönigin Titania, welche einen handfesten Ehekrach aufgrund eines vermeintlich außerehelichen Knaben Titanias haben.

Puck, der Erdmops und Diener Oberons sorgt nun mit allerlei, teils frivolen Zaubermittelchen für eine prickelnde Verwirrung unter den Paaren, welche sich mittlerweile alle im Wald versammelt haben. Er verwechselt und verzaubert, sorgt für Lust und Leid, lässt falsche und echte Liebende (und Esel) übereinander herfallen und biegt am Ende doch wieder alles gerade.

Mitten in diesem Chaos übt eine Gruppe Handwerker ihr Stück für die große Hochzeit des Königs. Statt „Pyramus und Thisbe“ üben diese „Romeo und Julia“, in welchem dennoch ein Löwe und kurioserweise eine mit Stacheldraht und Maschinengewehr ausgerüstete Flüster-Mauer vorkommen. Schwarz hat sich hier also einen Shakespeare im Shakespeare und ein Amateurtheater im Amateurtheater gegönnt.

Sommernachtstraum – Foto Roessler Jan

Seine Vorliebe für Shakespeare begründet Schwarz mit der Faszination für die Art und Weise des alten Volkstheaters mit all seinen verschiedenen Mitteln: Musik, Akrobatik oder Clownerie.
Die Wiederentdeckung dieser verschiedenen Elemente und deren Vermischung mache ihm einfach sehr viel Spaß.

Den Sommernachtstraum wollte er ursprünglich nie auf die Bühne bringen. Zu oft wurde ihm das konfuse Spiel der verzaubert-verwirrten Liebenden schon gezeigt. Dass er es doch getan hat ist ein großes Glück, denn Schwarz zeigt ihn erfrischend und voller Komik, mit tragischen Zügen, klassisch und doch aktualisiert. Die Stilmittel des Volkstheaters nutzt er unter anderem in Form einer singenden Barfrau. Im Bühnenzentrum führt sie mit Gitarre und unterhaltsamen Liedern über Liebesspiel und andere menschliche Wirrungen durch das Stück und dient als Treffpunkt der Figuren.

Nah am Shakespeare’schen Original inszeniert Schwarz den Zorn der Götter als Naturkatastrophe – sicher auch eine Anspielung auf die Probleme unserer Zeit. So ist der Sommernachtstraum eben nur ein Traum von einer Sommernacht, denn die Götter sind derart verärgert über Oberons und Titanias Streit, dass sie den Sommer mit Dauerregen, Frost und Krankheiten vermiesen. Die Schauspieler sind demnach auch bis zur Versöhnung des streitenden Paares in Regensachen gehüllt und waten zumeist in Gummistiefeln über die Bühne.

Sommernachtstraum – Foto Steffen Roye

Die von Schwarz selbst entworfenen Kostüme sind, neben dem Bühnenbild, eines der kreativen Highlights dieses Sommernachtstraumes. Diese Darstellung des Götterzornes war es, die ihn besonders
herausforderte und dazu veranlasste, den Sommernachtstraum eben doch zu inszenieren und
entsprechend auszustatten.

Komischer Höhepunkt des Stückes ist aber unbestritten die Aufführung des Theaterstückes der Handwerker. Beim Bäcker als Romeo und dem Dachdecker als Julia kann kein Auge trocken bleiben. Einen solch lustigen, tragischen Tod gab es selten zu sehen.

Das Publikum belohnte dann auch Romeo und Julia sowie alle anderen Darsteller des Sommernachtstraumes mit wohl verdientem, tosendem Applaus.

www.theaterhaus-rudi.de
www.spielbrett.info

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