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Clownstheater fördert kindliche Fähigkeiten

Clown PIT seit 2007 auf seiner Mission, die Welt spaßiger zu machen. | Foto: privat

Clownery ist ein Clownstheaterprojekt von und mit Peter Anders. Jeden Dienstag lädt er Kinder mit und ohne Flucht- oder Migrationshintergrund ins Johannstädter Kulturtreff e.V. ein. Dabei zeigt er ihnen, dass ein Clown nicht immer nur fröhlich ist, er kann auch traurig, tiefgründig und nachdenklich sein, reflektiert freundlich und sogar schüchtern. Natürlich ist der Clown eine Maske, die Kindern hilft Stimmungen und Szenen rein mit ihrer Körpersprache auszudrücken.

Im Sportraum des Johannstädter Kulturtreffs sitzen ein paar Jungs unterschiedlicher Nationalitäten auf Matten. Sie tragen große rote Nasen auf ihren eigenen. Der Mann, der ihnen gegenüber Platz genommen hat, trägt eine weite Latzhose mit zwei verschiedenfarbigen Hosenbeinen, ein geringeltes Shirt und einen schwarzen Melonenhut. Sein Gesicht ist weiß geschminkt, die Lippen breit und rot gezeichnet, seine rote Nase erinnert an die der Kinder.

Jeden Dienstag bis Ende April gibt es einen Workshop zur Clownery. Am Start gibt es immer die berühmte rote Nase. | Foto: Romy Stein

Bis Ende April jeden Dienstag

Peter Anders bietet als Clown Pit bis Ende April jeden Dienstag ein Mitmach-Theater, wo das Ausdrücken mit Körpersprache geübt wird.  Wie schwer es ist auf Worte zu verzichten, merken die Kinder als sie typische Bewegungen eines Bauarbeiters oder Polizisten vormachen, damit die anderen den gezeigten Beruf  erkennen.

„Die rote Nase als Symbol für den Clown aufzusetzen hilft in andere Rollen zu schlüpfen. Sie ist wie eine Maske – eine Maske für jede Situation“, resümiert Peter Anders. Er scheint Recht zu behalten, denn im Laufe seines Kurses fällt mir auf, dass sich die Kinder immer besser in die pointierten Szenen einfühlen. Sie reagieren schneller auf Stichworte und stellen Situationen variantenreich dar. Auch entwickeln und äußern sie eigene Ideen für Schauplätze und trauen sich auf der imaginären Bühne immer mehr. Selbst der Schüchternste lässt sich irgendwann mitreißen.

Jeden Dienstag lernen, wie es mit Witz und Spaß besser durch das Leben geht. Schnell legen die Kinder ihre Zurückhaltung ab. | Foto: Romy Stein

Schüchterne treten ins Rampenlicht

Das erlebt Peter in Klassen, Feriengruppen oder Theaterprojekten immer wieder. Vor allem während der gemeinsamen Arbeit über Wochen beobachtet er wie Kinder nach vorn treten, sich ausprobieren und ihre Scham ablegen.

„In einem Schulprojekt erlebte ich mal einen unscheinbaren Jungen, der von den anderen oft in den Hintergrund gedrängt wurde. Beim Spielen stieß ihn ein anderer sogar mal mit den Worten <Der kann nichts, geh weg hier> zur Seite, um die Szene selbst darzustellen. Einige Wochen später, ein Tag vor unserem Auftritt, machten wir eine Übung, in der einer die Gruppe anleiten sollte. Der Schüchterne meldete sich für diese Aufgabe und schob den Vorlauten zur Seite. Und er machte das gut. Zu sehen, dass ein Kind sich öffnet und aus sich rauskommt, bereitet mir riesige Freude.

Während dieser Junge am nächsten Tag aufgeregt seine Eltern erwartete, entschuldigte sich der andere, der immer einen großen Mund hatte, kurzfristig und fehlte während der Aufführung.“

Peter Anders ist seit 2007 als Clown PIT unterwegs. | Foto: Romy Stein

Welt nicht verbessern, aber spaßiger machen

Was den Kindern Spaß bereitet, bringt deren Eltern oft zum Staunen. Sie erleben ihre Kinder anders als im Alltag. „Gerade das ist ja das Schöne. Die Kleinen haben heute oft eine durchgeplante Woche, stehen in der Schule unter Druck und konfrontieren sich eher mit moderner Technik statt draußen zu spielen. Ich möchte nicht die Welt verbessern, aber den Kleinen eine spaßige, fröhliche Zeit in der sie Kind sein dürfen,“ so der 56-Jährige. Wenn die Kinder in seinen Kursen ihre Fantasie wiederentdecken, zeigt sich manchmal auch schauspielerisches Talent, was sich zu fördern lohnt.

Peter Anders hat selbst Schauspiel studiert und an verschiedenen Theatern gespielt und in Filmen mitgewirkt. 2007 überlegte er sich zum Schulanfang seines Sohnes ein eigenes Clownsprogramm. Es kam gut an, also blieb er dabei. Heute arbeitet er beispielsweise regelmäßig mit Schülern im Putjatinhaus in Dresden Kleinzschachwitz.

Im Johannstädter Kulturtreff e.V. – soziokulturellen Zentrum – arbeitet er mit Kindern aller Nationen. Das Kultur-, Vereins- und Bürgerhaus hat das Ziel, Kunst und Kultur in der Dresdner Johannstadt zu fördern.

Das Kurs- und Veranstaltungsangebot wendet sich an alle Generationen und erstreckt sich von Kunst und Kunsthandwerk über Sport, Musik, Sprache, Interkultur und Natur sowie kleine Konzerte, Reisevorträge, bunte Kinder- und Familienfeste, Mitmach-Aktionen und Workshops.

Informationen zum Autor

Romy (32) wollte schon als kleines Kind Schriftstellerin werden. Sie liebt das geschriebene Wort und möchte mit ihren eigenen etwas bewegen. Sie ist kommunikativ, beobachtet gern Menschen und findet deren Geschichten spannend. Zu hinterfragen und analysieren gehört zu ihren Spezialitäten. Dresden ist inzwischen seit 10 Jahren ihre Wahlheimat, dabei entdeckt sie immer wieder neue Ecken. Sie liebt die vielfältigen Möglichkeit der Großstadt...

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