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Mit einer Mission einmal zu Fuß um die Erde

Marios Weg wird die ganze Welt erlaufen, um überall Bäume der Erinnung zu pflanzen. Das sind ca. 75 000 Kilometer. | Foto: pixabay/bertvthul
Marios Weg wird die ganze Welt erlaufen, um überall Bäume der Erinnung zu pflanzen. Das sind ca. 75 000 Kilometer. | Foto: pixabay/bertvthul

Marios Weg wird die ganze Welt erlaufen, um überall Bäume der Erinnung zu pflanzen. Das sind ca. 75 000 Kilometer. | Foto: pixabay/bertvthul

Aus Mario Dieringers Schicksalsschlag wird ein Lebensprojekt. Der Suizid seines depressiven Lebenspartners gab ihm Anlass das Projekt „Trees of Memory – Mario läuft“ ins Leben zu rufen. Daran geknüpft ist Marios Fußweg um die Erde, auf dem er Bäume der Erinnerungen für Verstorbene pflanzt. Der gleichnamige Verein setzt zudem unterschiedliche Projekte zur Suizidprävention um.

Schicksalsschlag wird Lebensprojekt

Die Idee für das Projekt „Trees of Memory“ kam dem 51jährigen Journalisten und Dozent Mario Dieringer ein halbes Jahr nach dem Suizid seines Lebenspartners. Zum zweiten Todestag startet er nun seinen Lauf um die Erde. Vor ihm liegen 75 000 km für die er mindestens 15 bis 20 Jahre benötigt. Sachsen wird er vermutlich im Hochsommer erreichen.

Bisher folgen dem Projekt über 30 000 Menschen, die Bäume in 12 Ländern bestellt haben.

HEY DRESDEN-Autorin Romy Stein sprach mit ihm über seinen unglaublichen Fußweg, Wegbegleiter und Einsamkeit.

HEY DRESDEN: Aus dem urspünglichen Namen Footpath of Life wurde Trees of Memory. Worauf liegt der Fokus – auf dem Fußweg, der dir hilft das Erlebte zu verarbeiten oder auf den Bäumen?

Mario: Auf den Bäumen, ganz klar! Das Projekt will auf das Thema Suizid aufmerksam machen und durch die Bäume eine neue Erinnerungs- und Trauerkultur schaffen. Der Fußweg ist Mittel zum Zweck, eben mein Transportmittel. Dass das Laufen auch ein stückweit meiner Seele zugeordnet werden kann, ist durchaus anzunehmen und natürlich hat das auch was mit meiner Bewältigung zu tun. Die Bäume stehen jedoch im Vordergrund, um mich geht´s gefühlt zu 10%.

Warum Bäume – was haben die mit Trauer zu tun?

Dass wurde mir so in den Kopf gepflanzt. Das war Teil der spontanen Idee. Aber es macht tatsächlich Sinn. Bäume werden mit dem Alter immer schöner, immer stärker, immer größer. Und eigentlich ist das mit der Liebe auch so. Die fängt ganz klein an, als Samenkorn, zum Beispiel als Blick im Café und daraus wird etwas Großes, eine starke Verbindung. Und selbst die Jahreszeiten, die ein Baum durchgeht, passen zu zwischenmenschlichen Beziehungen. Da gibt es auch Herbststürme oder frostige Zeiten.

Wann ist dein Projekt erfolgreich beendet bzw. wann hörst du auf?

Bis ich um die Erde rum bin oder tot umfalle oder auf einen sexy kanadischen Holzfäller treffe, der sagt, du kommst mir hier nicht weg. Irgendwie so. (lacht herzlich)

Die Idee für das Projekt „Trees of Memory“ kam dem 51jährigen Journalisten und Dozent Mario Dieringer ein halbes Jahr nach dem Suizid seines Lebenspartners. | Foto: Mario Dieringer

Die Idee für das Projekt „Trees of Memory“ kam dem 51jährigen Journalisten und Dozent Mario Dieringer ein halbes Jahr nach dem Suizid seines Lebenspartners. | Foto: Mario Dieringer

Wenn du jetzt mindestens 15 Jahre unterwegs bist, was passiert mit deinem Besitz?

Ich gebe meine Wohnung auf, gebe meine Kleider an die Obdachlosenunterkunft, alle meine Kunst und meine Souvenirs der letzten 40 Jahre werden verschenkt oder verkauft.

Ich möchte nur noch das besitzen, was ich tragen kann. Und dann geht´s mir, glaub ich, schon viel viel besser. Eins ist mir klar: Damit endet mein bisheriges Leben.

Und was gehört zu den Sachen, die du trägst?

Alles was ich zum Essen, Kochen, Schlafen brauche. Also Zelt, Luftmatratze, Campingkocher und etwas Technik wie das Handy – damit ich auch in der Lage bin entsprechend zu berichten. Paar Klamotten, zwei lange Hosen, zwei kurze Hosen, Unterwäsche, T-Shirts.

Marios Blog während seiner Reise: https://www.treesofmemory.com/

Ist es richtig, dass dich Leute für einen Teil deines Weges begleiten dürfen?

Ja, zum Beispiel Leute denen es nicht gut geht, die vielleicht selber depressiv sind oder die vielleicht sogar auch Suizidgedanken haben. Da sag ich einfach, du kannst dich auch in vier Wochen noch umbringen. Du kannst vielleicht auch noch paar Wochen mit mir laufen und gucken ob sich nicht noch eine andere Perspektive entdecken lässt.

Nun hast du dich auch körperlich länger auf deinen Weg vorbereitet. Sollten deine Wegbegleiter möglichst vorbereitet starten?

Ach, das ist erstmal egal. Wenn sie langsamer sind, entschleunigt mich das ja auch. Und wenn es nach 10-15 km wirklich nicht mehr geht, dann schlägt man eben sein Zelt auf und macht sich einen freien Tag. Da muss man sich dann entsprechend anpassen. Leute die mitlaufen, die treibt ja etwas dahin. Da steckt ja schon mehr dahinter und dem muss man dann auch Raum geben. Es kann natürlich sein, dass es mal vorkommt, dass man 35 km schaffen muss, weil ein Baum bestellt wurde. Dann heißt es halt Zähne zusammenbeißen und durch. Und auch das ist eine Analogie, weil es im Leben auch Momente gibt, da heißt es Zähne zusammenbeißen und durch. Und wenn man dann angekommen ist, fühlt man sich zwar k.o., aber eben auch happy.

Trotzdem wird es vorkommen, dass du mal ein paar Wochen alleine unterwegs bist. Eine große Angst der du dich mit dem Fußweg stellst, ist die Einsamkeit. Hast du einen Notfallplan zurechtgelegt, falls es dir mal nicht so gut geht?

Ja. Natürlich habe ich Freunde mit denen ich jederzeit telefonieren kann. Aber ich habe ja irgendwie auch die ganze Welt mit denen ich ja in Kontakt bin. Dadurch, dass man mich über Facebook etc. begleiten kann. Und gerade in Europa, da ist ja alles vernetzt.
Da gibt es vielleicht 1-2 Tage mal kein Netz, wenn ich irgendwo in der Pampa stehe, aber ansonsten ist da ja erstmal alles gut vernetzt. Und solange ich in Europa bin, kann ich ja jederzeit live auf Sendung gehen.
Außerdem werden mir unterwegs sicher ab und an Leute begegnen.

Ist es denn erlaubt, dass du mal ein paar Meter mit dem Zug fährst?

Nein. Und wenn es aus irgendeinem Grund nötig wäre, dann müsste ich schließlich an den Ort zurückzukehren wo ich losgefahren bin, um von dort aus weiterzulaufen.

Das Projekt „Trees of Memory“ verfolgen bisher rund 30 000 Menschen und 12 Bäume wurden bereits gebucht.

Das Projekt „Trees of Memory“ verfolgen bisher rund 30 000 Menschen und 12 Bäume wurden bereits gebucht.

Start nach anderthalb Jahren Vorbereitung

Heute startet Mario seinen Lauf um die Erde. In Frankfurt am Main findet die Pflanzung des ersten Baumes des Projektes „Trees of Memory – Mario läuft“ statt. Direkt im Anschluss wird er mit den Vereinsmitgliedern, Freunden und Förderern seinen Weg zur zweiten Baumpflanzung nach Saulheim bei Mainz fortsetzen. Bis zum Ende des Jahres wird er sich auf einem rund 4000 km langen Weg quer durch Deutschland befinden.

Webseite des Vereins: https://www.treesofmemory-ev.com/
Marios Blog während der Reise: https://www.treesofmemory.com/

Informationen zum Autor

Romy (32) wollte schon als kleines Kind Schriftstellerin werden. Sie liebt das geschriebene Wort und möchte mit ihren eigenen etwas bewegen. Sie ist kommunikativ, beobachtet gern Menschen und findet deren Geschichten spannend. Zu hinterfragen und analysieren gehört zu ihren Spezialitäten. Dresden ist inzwischen seit 10 Jahren ihre Wahlheimat, dabei entdeckt sie immer wieder neue Ecken. Sie liebt die vielfältigen Möglichkeit der Großstadt...

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