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Beschimpfen, Beleidigen, Beschämen

Beleidungungen und Beschimpfungen sind kein Phänomen der Neuzeit, sondern galten seit Jahrhunderten als gutes Mittel einen Gegenüber unter sich zu stellen. | Foto: pixabay/derneuemann
Beleidungungen und Beschimpfungen sind kein Phänomen der Neuzeit, sondern galten seit Jahrhunderten als gutes Mittel einen Gegenüber unter sich zu stellen. | Foto: pixabay/derneuemann

Beleidungungen und Beschimpfungen sind kein Phänomen der Neuzeit, sondern galten seit Jahrhunderten als gutes Mittel einen Gegenüber unter sich zu stellen. | Foto: pixabay/derneuemann

An diesem Donnerstag findet in der Zentralbibliothek (Schlossstr. 2, Eingang Wilsdruffer Str.) eine Veranstaltung zum Thema „Beschimpfen, Beleidigen, Beschämen“ statt. Beginn der Veranstaltung ist 18 Uhr.

Hinter dem Titel steckt ein Forschungsprojekt der TU Dresden. Mobbing, Verunglimpfung, Hatespeech – auch wenn Herabsetzung ein Phänomen unserer Zeit zu sein scheint, zieht sie sich bereits durch die Jahrhunderte und kulturellen Kontexte. Dabei zeigt sich immer wieder, dass Herabsetzung weit mehr als eine zufällige Entgleisung ist. Offenbar hat sie sehr viel damit zu tun, wie Gesellschaften funktionieren: Herabsetzung wertet die einen ab und die anderen auf, grenzt die einen aus und schließt die anderen ein, löst Konflikte aus und heizt sie an, stützt und schützt Hierarchien oder stellt sie in Frage.

Wir haben uns im Vorfeld der Veranstaltung mit Dr. Antje Junghanß unterhalten. Sie ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt und arbeitet sonst am Lehrstuhl für klassische Phiologie.

HEY DRESDEN: Was und wer stecken hinter dem neuen Forschungsprojekt und welches Ziel verfolgt es?

Dr. Antje Junghanß: Unser Forschungsprojekt ist ein sogenannter „Sonderforschungsbereich“ (SFB). Das sind fächerübergreifende Forschungsverbünde, die von der deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert werden (sie tragen alle eine Nummer; unsere ist eben die 1285). Unser SFB möchte aus der Perspektive verschiedener Disziplinen untersuchen, was verbale Herabsetzungen sind und welchem Zweck sie dienen:

Wer wird von wem verbal angegriffen? Wie wird er angegriffen? Was passiert durch den Angriff?

Diese Fragen sind – nicht nur in Dresden – hochaktuell, doch zugleich lassen sich solche Dynamiken der Herabsetzung genauso auch in anderen Zeiten beobachten. In unserem SFB sind die Geschichtswissenschaften vertreten (von der Alten Geschichte bis zur Neueren und Neuesten Geschichte), daneben aber auch eine Reihe von Philologien (Latinistik, Germanistik, Amerikanistik, Romanistik), die Politikwissenschaft, die Soziologie und die Kunstgeschichte. Die beteiligten ProfessorInnen und MitarbeiterInnen untersuchen so verschiedene Phänomene wie verbale Angriffe auf Spießer, Beleidigungen zwischen Humanisten, Schmähungen in amerikanischen Serien usw. Verbindend ist jedoch die Frage nach den Mechanismen des Herabsetzens.

Dr. Antje Junghanß – Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philologie | Foto: René Plaul

Dr. Antje Junghanß – Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philologie | Foto: René Plaul

Das Projekt läuft zunächst vier Jahre (Start war im Juli 2017; Ende der Förderphase ist der 30. Juni 2021). Es ist möglich, noch Verlängerungsanträge zu stellen; ein SFB kann insgesamt für 12 Jahre gefördert werden.

Gibt es zu diesen Themen bereits Untersuchungen oder ist das Projekt selbst das Resultat der aktueller Entwicklungen in unseren Gesellschaften?

Die ProfessorInnen, die gemeinsam den Förderantrag zum SFB gestellt haben (was ein sehr aufreibendes Prozedere ist), haben alle bereits zu dem Thema gearbeitet, nicht jedoch in der Tiefe und in der Systematik, die im SFB nun möglich ist. Gleichzeitig gibt es natürlich in den aktuellen Debatten auch andere, die sich – zumindest teilweise – mit ähnlichen Fragen befassen. Der SFB ist kein Resultat aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen, möchte aber gern in die Gesellschaft hineinwirken und immer wieder das Gespräch mit der Dresdner Öffentlichkeit suchen.

Wenn das Projekt abgeschlossen ist, was soll mit den Ergebnissen passieren?

Die Ergebnisse der ersten Förderphase sollen publiziert werden – in Büchern (Monographien), Aufsätzen und einer Zeitschrift, die wir aktuell konzipieren. Zusätzlich werden wir bereits während der Projektlaufzeit immer wieder zu Veranstaltungen einladen, in denen Teilergebnisse in die Öffentlichkeit getragen und miteinander diskutiert werden.

Über 500 Menschen kamen zur Auftaktveranstaltung im Juli 2017 im Hygienemuseum. „Wir mussten sogar einige wegen Überfüllung des Saales wegschicken!“ | Foto: Robert Jentzsch

Über 500 Menschen kamen zur Auftaktveranstaltung im Juli 2017 im Hygienemuseum. „Wir mussten sogar einige wegen Überfüllung des Saales wegschicken!“ | Foto: Robert Jentzsch

Beschimpfen, Beleidigen, Beschämen – 12. April 2018, 18:00 Uhr, Zentralbibliothek Schlossstr. 2, Eingang Wilsdruffer Str., Dresden.

Informationen zum Autor

Jan Claus ist gebürtiger Dresdner und hat lange "draußen" gewohnt. In Mittweida studiert, hat er viele Jahre als Freier Mitarbeiter für den Mitteldeutschen Rundfunk gearbeitet und ist derzeit Pressesprecher eines deutschen Ingenieurdienstleisters. Jan Claus lebt mit seiner Familie in Seidnitz, fährt Rad bis ihn der Schnee stoppt, liest gern Krimis und hört noch lieber Hörspiele. Zuhören ist generell sein Ding. Die Geschichte zur Geschichte erfahren und dann für HEY DRESDEN aufschreiben. http://www.heydresden.de

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