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Bosse auf Engtanz

Bosse – 14.03.2016 – Reithalle Strasse E, Dresden

Bosse fordert mich und Dich

Bosse packte mein kleines angeschlagenes Herz mit dem ersten Ton, ach nein was sage ich, mit dem ersten Wort. Nur so viel: für mich war es eins der emotionalsten Konzerte der letzten Monate. Natürlich vorrangig meiner Engtanz-Liebe geschuldet, über die ich schon so viel geschrieben, so viele Gefühle offenbart hab. Zu viele vielleicht. Ich will euch damit an dieser Stelle nicht langweilen, auch wenn mir jetzt beim Schreiben dieser Zeilen, mit Bosse auf den Ohren, doch schon wieder das eine oder andere Tränchen aus den noch so müden Augen kullert.

Dresden fordert Bosse heraus

Montagabend in Dresden! Eigentlich ein Abend, welchen man am liebsten zuhause auf der Couch verbringt, der Welt und dem ersten, meist nervigen Arbeitstag der Woche den Rücken kehrt und schon wieder erwartungsvoll an das kommende Wochenende denkt. Aber nicht wenn Herr Axel Bosse ein Gastspiel im schönen Dresden gibt.

Das Konzert in dieser Location war für mich wieder einmal eine Premiere. Die Reithalle Strasse E, eingebettet in ein altes, frisch aufpoliertes Industriegebiet, welches durch seine einnehmende Backsteinromantik bestechen sollte. Mich hat es sofort begeistert. Das Ambiente war großartig, auch wenn der Raum etwas schlauchig die Menge einpferchte und Nähe zum Künstler auf der Bühne kaum zuließ. Zudem musste sich die durstige Menge an einer viel zu kleinen und unterbesetzten Bar die Beine in den Bauch stehen, um wie in unserem Fall mit drei Bieren halbwegs gut durch den Abend zu kommen. Unserem Durst geschuldet konnten wir dem Support Elias Hadjeuz leider nur ein Ohr widmen. Elias, ich hoffe du kannst uns das verzeihen?

Axel aka AKI stürmt die Bühne

Dresden feierte Bosse vom ersten Takt an frenetisch. Die Fans jubelten und grölten, gaben von Anfang an, genau wie Bosse, 100 Prozent. Es war ein Konzert, bei dem man das Gefühl hatte, in einer Sekunde von 0 auf 100 katapultiert zu werden. Mit „Außerhalb der Zeit“ schoss Bosse sich selbst auf einer Rakete zum Himmel, berührte anschließend nur ganz minimal die Erde, um uns eine seiner Geschichten zu erzählen und trat erneut mit „So oder so“ die Himmelstüren ein. Unendlich verausgabt, vom Glück beseelt, von seinem Traum verzaubert, landete Axel Bosse schon nach dem zweiten Lied schweißgebadet auf dem Boden der musikalischen Tatsachen. Man spürte in jedem Wort, in jeder Geschichte und in jedem Ton, dass er zu 110% seinen Traum lebt. Seine überbordende Glückseligkeit, sein unaufhaltsamer Enthusiasmus, sein innerer Seelenfrieden strahlte auf uns und brach Emotionen in meinem Herzen Bahn (verdammt schon wieder…ich hatte gedacht, ich hätte schon alles gefühlt) Ich dachte wieder einmal über mein Leben nach. Ist es vielleicht der Traum, welchen ich nicht greifen kann, der sich mir immer entwindet, mir nicht die Möglichkeit gibt ihn zu leben?

Bosse Dresden

(DickTurpine): Hier muss ich mal kurz unterbrechen, Schatz. Sonst vergesse ich den Gedanken wieder.

Ich lese hier immer nur Bosse, Bosse, Bosse. Was ist denn eigentlich mit Herrn Wenk? Ja genau, mit Herrn Martin Wenk, seines Zeichens Musiker bei Galaxico und Nada Surf. Mit ihm hat Aki für mich den absoluten Hauptgewinn als Multiinstumentalist in seinem Ensemble gezogen. Und ich bin mir sicher, das weiß er. Später etwas mehr über ihn.

Nun muss ich dazu sagen, dass dieses Bosse Konzert für mich 3-4 Jahre zu spät kam. Leider, wie ich eingestehen muss und ich kann da auch leider nicht aus meiner Haut heraus. All die Jahre hatte ich ihn immer aus irgendeinem Grund verpasst und nun kam er zu spät.

Für mich aber die Chance auf die Feinheiten im Konzert, im feinsinnig, modular arrangierten Konzert zu achten.

Schon die instrumentale Bühnenaufteilung war exemplarisch herausgearbeitet. Die Band, aus Bass, Leadguitar und Drums bestehend, spielte vom Protagonisten rechts und der klassische Teil mit Cello, Trompete, Klavier und Sopran befand sich links von Aki. Trotz dieser sichtbaren Schnittstelle hatte ich nie den Eindruck einer musikalischen Distanz. Im Gegenteil, die Harmonien beider Teile waren für mich von herausragender Qualität. Ich frage mich, wer das alles für den großen Rahmen arrangiert hat. Es war weder zu laut, noch zu breiig, kaum Understatement und es stach nie ein Instrument heraus. Die Abstimmung, in der nie ganz einfachen Reithalle, war äußerst gelungen.

Und dann war ja noch besagter Herr Wenk. Und ganz ehrlich, für mich war er der heimliche Star auf der Bühne. Immer etwas abseits des Rampenlichts, aber musikalisch ganz vorn dran, egal ob Trompete, Waldhorn, Schifferklavier, Lead- oder Rhythmusgitarre, er verzierte jeden Song ein ums andere Mal mit seiner dezenten, unverzichtbaren Zutat zum Lied. Für mich das ganz Besondere während dieses 110 minütigen Rausches.

Du darfst weitermachen, Chérie.

Das musste ja auch mal gesagt werden, von daher, danke für den Einwurf, Schatz.

Der Song „Vier Leben“ hat mich ganz besonders abgeholt, war er mir vorher gänzlich unbekannt, hat er sich jetzt fest eingebrannt: „…als hätten wir vier Leben, doch wir haben nur eins, als könnten wir vier Leben leben, als müssten wir überall sein, und ich renn und renn dem einen hinterher…“

Doch der Höhepunkt des Konzertes war für mich „Ahoi Adé“. Ein emotionales Ereignis, dem ich mich nicht nur wegen diesem ergreifendem und einzigartigem Cello, vollkommen hingab. Die Tränen konnte ich verbergen, mein Herzschlag dagegen muss die ganze Halle erfüllt haben.

Aber Schluss jetzt mit diesem emotionalen Geschwafel oder um es mit Bosses Worten zu sagen: „Lamentier nicht und tanz mit mir.“ Und das tat ich. Denn eigentlich war dieses Konzert eine einzige große Party. Wir feierten die Leichtigkeit der Jugend mit dem besten Bier am „Alter Strand“ und Kartoffelschnaps in „Frankfurt Oder“, ließen unsere Freunde hochleben mit einem Hey Hey bei „Dein Hurra“ und lachten mit Spiegelei von Deichkind über unsere verpeiltes Leben bei „Krumme Symphonie“. Spätestens als Bosse die Cocktailbar erklomm und seinen verkannten Hit „3 Millionen“ schmetterte, sehnte sich jeder nach dem Einen „der dich versteht“.

Mit gemischten Gefühlen und über das eigene Leben nachdenkend, entließ uns Axel Bosse nach drei grandiosen Zugaben in die Dresdner Nacht. Apropos Nacht, ich bin so froh, dass er diesen Song nicht gespielt hat:

Eure Zweikanäler

Informationen zum Autor

Doppelte Liebe zur Musik! Der Musikblog faselt mit Herz und Hirn, mal ins Detail verliebt, mal subjektiv euphorisch über erlebte Konzerte und Album Release. http://www.zweikanal-dresden.de

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